Selbstverständnis

Was machen wir?

Grenzenlose Wärme – Refugee Relief Work e.V. ist ein gemeinnütziger ehrenamtlicher Verein in Dortmund. Wir sammeln, sortieren und verteilen Hilfsmittel an lokale und internationale Organisationen, um Menschen in Notsituationen zu unterstützen. Im Fokus stehen die Menschen an den europäischen Außengrenzen. Über ein digitales System (Boxtribute) können unsere Kooperationspartner unsere Lagerbestände einsehen und Hilfsgüter passgenau nach aktuellem Bedarf anfordern. Wir versenden sowohl mit internationalen Logistikunternehmen als auch mit dem vereinsinternen Transporter. Neben der Logistik von Spenden besteht unsere weitere Tätigkeit im Aufbau von Kooperationen und Netzwerken sowie der Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit. Zur Sammlung von Spenden stellen wir auf den unterschiedlichsten ortsnahen Veranstaltungen unsere Initiative vor. Auch organisieren wir eigene Aktionen. Teils werden auf solchen Veranstaltungen Sachspenden im Vintage Stil, die für Menschen in prekären Lebenssituationen unpraktisch sind, gegen eine Geldspende weitergegeben. Mit den Geldern können andere notwendige Hilfsgüter gekauft werden.

Wir leisten einerseits ganz praktische Unterstützungsarbeit und sensibilisieren andererseits für die Themen Flucht, Migration und Möglichkeiten selbst tätig zu werden. Dafür arbeiten wir mit vielen Personen, NGOs und Unternehmen im Ruhrgebiet und in ganz Europa zusammen. Mit unseren Fähigkeiten und Ressourcen unterstützen wir lokal bestehende Strukturen im internationalen Raum – “Think globally, act locally”. Auch können wir über den intensiven Austausch mit ortsansässigen Nichtregierungsorganisationen eine verantwortungsbewusste Planung und Durchführung der Unterstützungsmaßnahmen gewährleisten – “Do no harm”. 

Wofür stehen wir?

Die Würde jedes Menschen ist in dieser Welt leider nicht unantastbar. Der Einsatz für den Schutz der Menschenrechte ist daher umso wichtiger. Alle Menschen haben den gleichen Wert – und das gleiche Recht auf ein Leben in Frieden und persönlicher Freiheit. Aus Diversität, vielfältigen Bedürfnissen und Begabungen ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an unser Handeln. Die Ursachen von Flucht sind vielschichtig. Wir sehen flüchtende Menschen geeint in der Hoffnung auf ein besseres Leben und unterstützen sie dabei. Jeder Mensch hat das unumstößliche Recht auf ein faires und gerechtes Asylverfahren und darauf, es unter menschenwürdigen Bedingungen zu durchlaufen. Grundlegend ist der respektvolle Umgang, frei von Diskirminierung. Über unsere ehrenamtliche Arbeit setzen wir uns für die Wahrung der Menschenrechte (in Europa) ein.

Wir sind uns bewusst, dass gesellschaftliche Strukturen Menschen nicht gleich behandeln. Sondern Chancen auf ein gutes Leben gravierend (vor)bestimmen. Gegen diese Strukturen arbeiten wir, sie wollen wir bekämpfen und verändern.

Wir erkennen die Macht und die Privilegien, die wir aufgrund unserer Herkunft, Hautfarbe und Nationalität haben. Dies ist eine unauflösbare Schieflage, derer wir uns in unserem Handeln stets bewusst sein müssen. Daher setzen wir uns mit den rassistischen Strukturen unserer Gesellschaft in Fortbildungen und vereinsintern organisierten Reflexionstreffen auseinander.

Wir sind uns der Problematik eines zwangsläufigen Machtgefälles im Unterstützungskontext bewusst. Unterstützende haben etwas – zu Unterstützende brauchen etwas (“White Savior”).

Wir streben in unserer Arbeit deshalb immer eine Unterstützung bestehender Strukturen an. Einerseits ist es effizienter und nachhaltiger, andererseits um verantwortungsbewusst und sensibel zu arbeiten (“Do not harm”). Wir unterstützen Menschen an den europäischen Außengrenzen von dort, wo wir wohnen, und mit den Ressourcen, die wir hier bündeln können (“Think global, act local”). Wir unterstützen neben Geflüchteten auch Menschen in anderen Notsituationen.

Wir positionieren uns deutlich gegen jede Form von Rassismus, Fachismus, Sexismus und Klassismus.

Wie arbeiten wir (miteinander)?

Wir engagieren uns alle ehrenamtlich. Alle leisten so viel, wie sie gerade können und möchten. Gemeinsam können wir (politisch) aktiv sein. Kritik an den bestehenden Verhältnissen äußern und hierfür die Reichweite des Vereins nutzen. Als Gruppe mit gleichen Zielen empowern wir uns und andere und kommen weiter.

Alle zwei Wochen treffen wir uns, um anstehende Aktionen zu planen und uns auszutauschen. Darüber hinaus sind wir in sechs Kleingruppen organisiert

  • Logistik und Spenden
  • Social Media und Öffentlichkeitsarbeit
  • Awareness und Mitgliederverwaltung
  • Veranstaltungen
  • Buchhaltung und Finanzen
  • Interne Organisationsentwicklung
  • sowie weitere temporäre Arbeitsgruppen.

Die internen Treffen wie auch die Arbeit des Awareness-Teams sind ein Schutzraum, in dem wir uns gegenseitig Zeit und Raum für Reflexion und Austausch geben. Wir reflektieren unsere Aktionen und Hilfseinsätze. Untereinander pflegen wir einen wertschätzenden Umgang. Dazu gehört auch eine klare und eindeutige Kommunikation. Interne Konflikte sprechen wir so offen und direkt wie möglich an. 

Wir machen auch spaßige Teambuilding-Sachen, um uns zu erholen und zu empowern.

Was bedeutet Awareness in unserem Verein?

Wir sind in unserer Arbeit kontinuierlich mit Grenzsituationen und menschlichem Leid konfrontiert. Deshalb ist es wichtig, dass wir auch auf uns selbst achten. Tun wir es nicht, leidet letztlich auch unsere ehrenamtliche Arbeit darunter. Wir bereiten uns deshalb bestmöglich auf Aktionen vor, besprechen sie nach und geben uns gegenseitig Raum für Reflexion. Neben der gesellschaftlichen möchten wir auch unsere eigene Auseinandersetzung mit den Themen Flucht, Migration und Rassismus (Weiß-sein, …) fördern. Schutzkonzepte für Fahrten werden erarbeitet. Ansprechpersonen für Awareness sind im Verein vorhanden sowie die Möglichkeit externe Mediator*innen anzusprechen.

Wie finanzieren wir uns und wo kommen Geldspenden an?

Alle Gelder fließen in unsere Unterstützungsarbeit, da wir keine finanzierten Stellen haben und die Arbeit rein ehrenamtlich erfolgt. Wir sind auf Privatspenden angewiesen und haben nur in Ausnahmefällen und bei konkreten Projekten die Möglichkeit externe Fördergelder anzuwerben. Wofür unsere Gelder beispielsweise letztes Jahr ausgegeben wurden, findet ihr demnächst hier in einer Grafik.

Welche praktischen Widersprüche ergeben sich?

Unsere materielle Arbeit widerspricht oftmals grundlegend unseren Ansprüchen an Nachhaltigkeit. Das Verschicken von (Einweg-)Produkten, die nicht unseren Umwelt- und Sozialstandards entsprechen, bleibt kritisch zu hinterfragen.

Unsere Arbeit sollte zudem gar nicht notwendig sein. Sie ist es nur, weil es repressive Grenzregime gibt, die Menschen ihrer Rechte und Würde berauben. Alles was wir tun, ist letztlich ein sprichwörtlicher “Tropfen auf den heißen Stein” und ein “Kampf gegen Windmühlen“. Die praktische Unterstützung ist deshalb immer mit einem politischen Kampf gegen diese Strukturen verbunden.

Unsere fehlende innere Diversität ist neben unseren Privilegien und Dynamiken wie White Saviorism ein weiterer Aspekt, auf den wir nur eingeschränkt Einfluss nehmen können, mit dem wir uns aber auseinandersetzen.

Wie hat sich der Verein entwickelt?

Der Verein hat sich 2016 aus einer Initiative von Studierenden der FH Dortmund entwickelt. Anreiz war der Aufruf nach kurzfristigen Freiwilligen zum Jahresende. Zu dieser Zeit sind oftmals längerfristige Freiwillige im Urlaub und eine Versorgungslücke entsteht. Über den Jahreswechsel 2016/17 fuhr die erste Gruppe nach Griechenland. Es wurde deutlich, dass der kurzfristige Einsatz über zwei bis drei Wochen die ortsansässigen Nichtregierungsorganisationen entlastet. Sowohl um die im Alltag liegengebliebenen Aufgaben zu erledigen, Renovierungen umzusetzen, einen zusätzlichen freien Tag zur Erholung der anderen Freiwilligen zu ermöglichen, als auch zum Empowerment der Freiwilligen. Insgesamt haben bis Januar 2020 zehn Einsätze in Griechenland und Bosnien stattgefunden. Weitere Informationen zu den Einsätzen findet ihr hier auf unserer Website. 

Durch Covid hat sich unsere Arbeit verändert und weiterentwickelt. Mitte 2020 haben wir angefangen in Dortmund Sachspenden zu sammeln und sortieren. Die Logistik der Spenden hat sich zunehmend verbessert. Mittlerweile betreiben wir eine Lagerhalle in Dortmund Lanstrop, um von dort die Sachspenden palettenweise zu versenden. Seit 2020 sind insgesamt 437 Paletten mit Hilfsgütern in Deutschland, Griechenland, Ukraine, Frankreich, Bosnien, Polen und Ungarn verteilt worden (Stand Dezember 2022).