Die ersten Schritte

Am Freitag, 20.09.2019 war es so weit, Grenzenlose Wärme e.V. brach auf zur 8. Mission in Griechenland, um Geflüchteten zu helfen. Unter den 9 Teammitgliedern finden sich dieses Mal nicht nur vier Studierende der FH Dortmund, sondern auch fünf engagierte, junge Menschen zwischen 21 und 28 Jahren aus Dortmund, Köln und Berlin.

Aufgrund verschiedener Wohnorte und organisatorischer Unterschiede fand die Fahrt nach Kavala mit zwei Fahrzeugen statt. Das erste Fahrzeug mit dem Sebastian, welches erst Jo in Köln und danach Anne in München einsammelte, für dann noch Bei Heimatstern vorbei. Dort wurden dann zusätzlich noch Hilfsgüter von Heimatstern geladen, die in Griechenland an lokale Nichtregierungsorganisationen (NRO) ausgegeben wurden. Beide Fahrzeuge und deren Insassen trafen somit erstmals nach gut 15 Stunden Fahrt in Ancona auf einander, wo wir aufgrund der zweieinhalbstündigen Verspätung unserer Fähre ein wenig Zeit verbringen durften.

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Nach der Fahrt mit der Fähre, welche sich über 16 Stunden von Ancona nach Igoumenitsa erstreckte, steuerte Fahrzeug eins zuerst die Lagerräume einer NRO in Thessaloniki an, um dort Hilfsgüter in die vertrauensvollen Hände von Medical Volunteers International e.V. zu übergeben, welche sich dort um die Gesundheit der Menschen kümmern. MVI versorgt an mehreren Standorten in Griechenland obdachlose Geflüchtete. Aus Thessaloniki konnte die lokale Koordinatoren berichten, dass es gerade in der vergangenen Zeit nach dem Regierungswechsel zu immer mehr Polizeigewalt gegenüber den Geflüchteten kommt und sie so auch des Öfteren Wunden von Messerstechereien versorgen müssen. An dem Samstag vor unserem Besuch hatten sie in ihrem alten Rettungswagen auf einem der Plätzen, auf welchem die Obdachlosen schlafen, alleine 100-120 Patient*innen, um die sie sich gekümmert haben.

Danach führte die Fahrt weiter nach Polykastro, in das Camp „Nea Kavala”, wo zurzeit ca 1800 Menschen leben. 800 von ihnen sind dort in Containern untergebracht, welche sich auf einem alten Flugplatz dicht aneinander gereiht in einer nahezu endlosen Schlange auf der Landebahn befinden, die restlichen 1000 Geflüchteten wohnen auf einer Fläche, welche ca nur 1/3 des Flugplatzes beträgt, in Zelten. In Nea Kavala leben hauptsächlich Familien mit Babies und Kleinkindern, welche wir ebenfalls mit diversen Hilfsgütern unterstützen durften. Die 1000 Geflüchteten sind dort erst in den vergangene Wochen hinzugekommen. Sie stammen vorwiegend aus dem griechischen Hotspot Moria auf der Insel Lesvos. Nun kam es in den vergangen Wochen jedoch des Öfteren zu starken Regenfällen zwischendurch, für welche die Zelte vor Ort nicht ausgelegt sind. Sobald sich das Wasser um sie herum sammelt, werden sie unterspült und aufgrund des Mangelenden Bodens saufen die Bewohner*innen somit regelrecht ab. Ein weiteres Problem vor Ort war ebenfalls, dass es seit zwei Tagen kein Trinkwasser mehr gab. Die Zuleitungen die für das Camp und das benachbarte Dorf vorgesehen sind, schaffen an manchen Tagen schon die Versorgung des Dorfes nicht und somit wurden die für das Camp kurzerhand gekappt.

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Danach setzte der Transporter seine Fahrt nach Kavala fort, wo in der Zwischenzeit das zweite Fahrzeug angekommen war und wir die Koordinatorin unseres griechisch-norwegischen Kooperationspartners Northern Lights Aid (NLA), Alexandra, getroffen haben. Northern Lights Aid ist ebenfalls eine Nichtregierungsorganisation (NRO) , welche wir auf dieser Mission mit unserer Arbeit vor Ort unterstützen werden. Alexandra erklärte uns den Ablauf der folgenden Tage und hieß uns in Griechenland herzlich Willkommen.

Am ersten Morgen in Kavala trafen wir dann auf viele andere Mitglieder von NLA. Mit ihnen haben wir anfangs über die aktuelle Situation in dem Camp gesprochen und die Räumlichkeiten besichtigt, die wir in den kommenden Tagen zusammen renovieren werden, um so den Geflüchteten nicht nur einen Rückzugsort, sondern einen Ort anbieten zu können, an dem man mit Freude lernt, während die Kinder durchgehend betreut werden.

Während wir den Klassenraum für Sprachunterricht, eine Werkstatt für kreatives Arbeiten, einen Kindergarten, einen kleinen „Laden”, in dem die Campbewohner mit Kleidung versorgt werden, sowie den Garten, in welchem auch selbst Gemüse angebaut wird, erkundet haben, tauschten wir uns über etwaige Umbau-Vorschläge und anstehende Renovierungsarbeiten aus.

Unser größter Vorteil dabei war, dass Jo nicht nur Architekt ist, sondern durch seine ausgeprägte Kreativität direkt konstruktive Ideen in unsere Planung integrieren konnte.

Nachdem wir unsere Vorstellungen mit denen von NLA geteilt hatten, machten sich Benoît (NLA), Jo, Sebastian, Leon, Issa, und Dominik mit beiden Transportern auf den Weg in diverse Baumärkte, um Holz und andere Materialien für den Umbau zu besorgen.

Währenddessen unterstützten die anderen beim täglichen Ablauf von Northern Lights Aid. Als um 15:30 Uhr der Englischunterricht, welcher je nach Fortschritt der Bewohner*innen in drei Level unterteilt ist, begann, halfen Anne, Nadine und Anna den Frauen, die separat von den Männern unterrichtet werden, beim Schreiben neuer Vokabeln sowie beim Beantworten offen gebliebener Fragen, welche jedoch nach dem professionellen Unterricht von Hannah (NLA) kaum vorhanden waren.

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Robin kümmerte sich derweil mit anderen Volunteers um die Betreuung der Kinder von den Frauen, die somit die Chance bekommen ungestört zu lernen. So wurde mit den Kindern gebastelt, gespielt und sich in Form von Fußball auch sportlich betätigt.
Nachdem die Anderen aus den Baumärkten zurückkehrten, luden wir die Einkäufe in die Räume ein, verabschiedeten uns von den NLA Volunteers sowie den Campbewohner*innen, welche uns unglaublich offenherzig empfingen und fuhren zurück in unsere Unterkunft, voller Vorfreude, was der nächste Tag wohl mit sich bringen wird.

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