Kurze Nächte, lange Tage

Von einem Trip ins verschneite Thessaloniki am Freitag und vielen Besorgungen am Samstag berichten wir im heutigen Blogartikel.

Für Mashal begann der Freitag in aller Früh, als Sven sie um 9:00 Uhr an unserem Haus in Sykourio einsammelte und sich mit ihr gemeinsam auf den Weg in ein Krankenhaus in Thessaloniki machte. Dort sollte sie für eine Familie, die von Sven betreut wird, als Übersetzerin fungieren.

Der Rest der Gruppe folgte den beiden in die nordgriechische Großstadt, allerdings erst gegen 12, sodass Mashal die einzige war, der das Ausschlafen verwehrt blieb.

Die knappen 140 km Fahrt vergingen schnell, aber in Thessaloniki erwartete uns ein Straßenverkehr, der vom einsetzenden Schneefall ins Chaos gestürzt wurde. Für unseren mit Winterreifen ausgerüsteten Van kein Problem, wir erreichten unseren Treffpunkt sehr pünktlich. Mashal hingegen wollte vom etwas außerhalb gelegenen Krankenhaus mit dem Taxi in die Innenstadt kommen und benötigte drei Stunden für die doch eher kurze Strecke.IMG_20190104_134050.jpg

Der Grund für unseren Ausflug nach Thessaloniki war nämlich die Besichtigung des Frauenzentrums „Irida“. Der Freitag macht seinem Namen für die Volunteers von InterVolve nämlich alle Ehre, stehen dort nämlich keine Arbeiten in den Camps oder im Warehouse an.

Da wir den freien Tag aber dennoch produktiv nutzen wollten, verabredeten wir uns mit Sven in Thessaloniki und bekamen dort eine Führung durch das bereits erwähnte Frauenzentrum Irida.

„Irida“ ist das griechische Wort für Iris und soll einen Mittelpunkt darstellen. Ein sicheres Zentrum für Geflüchtete Frauen, das sie alleine oder gemeinsam mit ihren Kindern aufsuchen können. Wir haben in unseren bisherigen sechs Touren bereits so einige Einrichtungen in Griechenland kennenlernen dürfen und haben dabei vor allem erlebt, dass vieles eher improvisiert und provisorisch läuft. Dementsprechend betraten wir „Irida“, das ziemlich unscheinbar hinter einem schmuddeligen Hauseingang in einer kleinen Gasse in der Innenstadt liegt, mit einer eher geringen Erwartungshaltung. Und wie so oft in Griechenland sollten wir auch dieses Mal überrascht werden! „Irida“ ist ein mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes Zentrum, das sich über drei Etagen erstreckt. In der untersten Etage befinden sich die Rezeption und die Büroräumlichkeiten. Darüber hinaus eine Küche, in der Kochworkshops stattfinden oder Frauen die Möglichkeit haben, selbst zu kochen. Im Computerraum finden ebenfalls Workshops statt oder es können Lebensläufe und Bewerbungen erstellt werden. Darüber hinaus bietet „Irida“ Unterrichtsräume, einen Tanzsaal, Aufenthaltsräume und einen Kinderbereich zum Spielen an.

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Nach der Besichtigung sollte es eigentlich weiter nach Idomeni gehen, jenes Dorf an der Grenze zu Mazedonien, das Anfang 2016 traurige Berühmtheit erlangte, als dort über 14000 gestrandete Geflüchtete campierten. Die Wetterverhältnisse ließen unsere Pläne jedoch leider scheitern, weshalb wir den Abend in Thessaloniki in einem Restaurant ausklingen ließen, ehe wir für den Rückweg über die völlig verschneite Autobahn drei Stunden benötigten.

Nach einer kurzen Nacht ging es am heutigen Morgen für Sebastian und Dario bereits früh wieder an die Arbeit. Während unserer Zeit im Koutsochero-Camp haben wir beobachten können, wie wenig Möglichkeiten die Geflüchteten haben, ihre Zeit sinnvoll zu nutzen. Obwohl durch InterVolve einige Aktivitäten (wie zum Beispiel der „English Conversation Club“ oder das Pinkhouse) angeboten werden: grade bei den aktuell widrigen Wetterbedingungen bleibt oft nichts anderes übrig, als den lieben langen Tag auf den wenigen Quadratmetern im Container zu verbringen. Integrationskurse wie in Deutschland gibt es in Griechenland nicht, die Menschen sind mehr oder weniger zur Untätigkeit gezwungen. Da das Camp ca. 15 km außerhalb der Innenstadt liegt und es keine regelmäßige Busverbindung in die Stadt gibt, sind die Geflüchteten de facto größtenteils von der griechischen Gesellschaft ausgeschlossen.

Um den Menschen etwas mehr Möglichkeiten zu geben, ihren Tag sinnvoll zu strukturieren, haben wir uns dazu entschlossen, uns an der Entstehung eines Fitnessraums im Community Center des Camps zu beteiligen. Dario und Sebastian haben sich daher heute morgen auf den Weg gemacht und ca. 15 Fitnessgeräte gekauft.

Für den Rest ging es zunächst ins Warehouse, wo die restlichen Aufgaben für den heutigen Tag verteilt wurden. Mashal und Ilayda machten sich auf den Weg nach Koutsochero, um dort den Kids Club und das Pinkhouse zu unterstützen. Leon begab sich auf große Einkaufstour und belieferte den morgen wieder öffnenden free shop und packte anschließend gemeinsam mit Philipp Windelpakete für die jüngsten Campbewohner.

Ada und Dahham waren im Warehouse zugange. Während Dahham Waschmittel portionierte, veranstaltete  Ada unermüdlich eine regelrechte Inventur im Warehouse und sorgte dafür, dass kommende Volunteers nach uns vermutlich deutlich weniger Zeit damit verbringen müssen, sich einen Überblick über den Bestand im Warehouse zu verschaffen.

Am Abend ging es dann noch in eines der Vol-houses, wo wir gemeinsam mit einer weiteren deutschen Volunteer einen Vortrag von Sven über die Entwicklungen der Situation von Geflüchteten in Griechenland bekamen. Mit vielen neuen und interessanten Informationen und Einblicken, aber auch sehr geschafft vom anstrengenden Tag erreichten wir um 23 Uhr wieder Sykourio und freuen uns nun auf unseren morgigen letzten Einsatztag in Griechenland. IMG_20190105_204933.jpg

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